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Erweiterung der Orgelkommission

Am 29. September 2021 hat in Rostock erstmals eine erweiterte  Orgelkommission getagt. Dies wurde möglich und erschien sinnvoll auf der Basis der im Jahr 2020 verabschiedeten Kirchbaurechtsverordnung (§ 16)  und des ebenfalls 2020 verabschiedete Kirchbaugesetzes (§ 17).

Da das Baudezernat einverstanden war, die bisherige Orgelkommission zu integrieren, ist ein relativ großer Personenkreis entstanden, der auch benachbarte Fachgebiete und entsprechend beteiligte Institutionen integriert.

Die Gespräche wurden von Julia Ahnert und Gerd Meyerhoff moderiert. Karl-B. Kropf gab zunächst einen Rückblick auf die Entwicklungen der letzten Jahre und die durch Gehäuse und Architektur gegebenen Grenzen des Instruments . Anschließend stellte er die Orgel den Teilnehmern kurz klanglich vor.

In der folgenden Diskussion ergab sich inhaltlich, dass ein großes Interesse an einer beständigen und herausragenden Lösung der Orgelfrage besteht. Dabei sollte man sich eher von Bedürfnissen der Gegenwart und Zukunft leiten lassen, als Zustände der Vergangenheit zu konservieren oder nachzubilden. Das gegenwärtige Instrument entspricht sowohl für Experten wie auch für Laien lediglich optisch den Erwartungen, die man an eine Orgel in einer Kirche dieser Bedeutung und Ausstrahlung hat.

Zwei gestalterische Optionen werden künftig nicht mehr weiter verfolgt:
Zum einen die Rückführung auf den Stand von 1793 bzw. auf eine spätbarocke norddeutsche Großorgel in der Nachfolge Joachim Wagners sowie die Option einer technischen Aufarbeitung und Vervollkommnung des Konzeptes von 1938, welches ohnehin nur mehr in leicht überformter Gestalt existiert.
Daraus ergibt sich, dass sich das Projekt von den Begriffskategorien Sanierung/Restaurierung  weg zu Begriffen wie Reorganisation, Umbau bis Neubau unter Verwendung alten Materials hin bewegen wird.

In Äußerden der Orgel wird das Erscheinungsbild von 1770 erwartungsgemäß nicht verändert werden. Zur Frage der künftigen Farbfassungen werden die Experten ebenfalls bald beraten (siehe auch hier>)

Als nächster Schritt wurde vereinbart, dass eine kleine Gruppe, bestehend aus den Orgelsachverständigen und Organisten, einerseits die bereits für 2020 geplant gewesene Bereisung einiger Instrumenten achholen und andererseits eine konzeptionelle Grundlage verfassen soll, die der gesamten Kommission Anfang 2022 vorgelegt wird. Erst auf dieser Grundlage kann entschieden werden, welche Teile der gegenwärtig vorhandenen Substanz in ein künftiges Instrument übernommen werden sollen.

Die Forderung nach einer genauen Erfassung und Bewertung des Bestandes wurde vor allem aus der Denkmalpflege erhoben. Die Erfassung ist weitgehend erfolgt (wenn auch noch nicht auf einzelne Pfeifen genau), eine Bewertung erfordert aber auch eine ungefähre Richtungsangabe für das zukünftige Instrument, da nach übereinstimmender Einschätzung keine Komponente des jetzigen Bestandes eine herausragende Denkmalwürdigkeit besitzt, abgesehen vom Gehäuse.

Teilnehmer:innen:

  • Julia Ahnert (Schwerin), Dezernentin für Bauwesen im Kirchenkreis Mecklenburg
  • Prof. Franz Danksagmüller (Lübeck), Professor für Orgel und Orgelimprovisation Musikhochschule Lübeck, Komponist mit Schwerpunkten in Orgel und elektronischen Ausdrucksmitteln
  • Beatrix Dräger-Kneißl (Schwerin), Landesdenkmalamt MV, zuständig für Orgeln
  • Friedrich Drese (Malchow), Orgelsachverständiger
  • Martin Dücker (Freiburg/Stuttgart), Erzbischöflicher Orgelinspektor
  • Dr. Lars Emersleben (Kiel), Landeskirchenamt, Dezernat Theologie (zuständig für Kirchenmusik)
  • Karsten Hub, Bauabteilung Propstei Rostock, Kirchenkreis Mecklenburg
  • Benjamin Jäger (Rostock), Kirchenmusiker Innenstadtgemeinde Rostock
  • Karl-Bernhardin Kropf (Rostock), Kirchenmusiker Innenstadtgemeinde Rostock
  • Elke Kuhnert (Schwerin), Landesdenkmalamt MV, zuständig für Wand- und Farbfassungen
  • KMD Prof. Markus Johannes Langer (Rostock), Kreiskantor
  • Gerd Meyerhoff (Schwerin/Stralsund), Landeskirchenamt, Dezernent für Bauwesen, zuständig für Orgeln und Glocken
  • Jürgen Schlag (Berlin), Projektbetreuer Orgelrestaurierungen
  • Kristian Schneider (Elmshorn), Orgelsachverständiger
  • Hans-Jürgen Wulf (Hamburg), Orgelsachverständiger, Landeskirchenmusikdirektor

Als Gast (per ZOOM):
Prof. Dr. Hans Fidom (Amsterdam), Orgelforscher an der Freien Universität Amsterdam, Leiter Orgelpark Amsterdam

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